Referenzzentrum Borstel

Das Referenzzentrum für Mycobakterien in Borstel (Schleswig-Holstein) vereint unter einem Dach die Forscher der Lepra- und Tuberkulosebakterien.

Eben hier erforschte Prof. Enno Freerksen eine Kombinationstherapie zur Bekämpfung der Lepra, das Isoprodian R, eine Kombination von Isoniazid, Prothionamid, Dapsone und Rifampicin. Neben dem Therapieschema der WHO, ist Isoprodian R das zweite gleichberechtigte Behandlungsregime im Kampf gegen die Lepra.
Die Therapie mit Isoprodian R führte bei der Anwendung auf der Insel Malta zur Ausrottung der Lepra. Dieser durchschlagende Erfolg wurde auf dem Symposium "MDT in Leprosy", 1986 in Würzburg bekannt gegeben.

Die Forscher in Borstel analysieren gemeinsam mit den Gesundheitsämtern die Tuberkulose - Infektionen.
Frau Dr. Sabine Rüsch-Gerdes leitet die Laborgruppe Mykobakteriologie, die seit 1990 als nationales Referenzzentrum bezeichnet wurde und durch die WHO 1995 zu einem Europäischen Referenzzentrum für Empfindlichkeitsprüfungen ernannt wurde.

In Borstel werden 12000 Proben jährlich auf Mycobakterien untersucht, die aus ganz Deutschland eingesandt werden.

Laut Bewertung in Borstel wurden in Deutschland 43 % der Tuberkulosekranken außerhalb der Landesgrenzen geboren.
Das Risiko der Erkrankung ist für Bürgerinnen und Bürger, die aus dem Ausland stammen, fünf Mal so hoch als das der Deutschen.

Die wachsenden Zahlen der Tuberkulosekranken in den Nachbarländern im Osten sind ernst zu nehmen. Die Tatsache der lebhaften Migration, der ansteigenden Touristen-Zahl und der geographischen Nähe zu den Ländern des Ostens, soll unsere Aufmerksamkeit wachsam halten.

Besonders in Russland ist die Situation mit 130.000 Neuerkrankungen pro Jahr und 30.000 tuberkulosebedingte Todesfällen pro Jahr dramatisch!

Im Referenzzentrum Borstel werden ebenfalls die von Pharmafirmen entwickelte neue Techniken zu schnellerer Diagnostik der Tuberkulose bewertet.

(Groenewold,U.,"Bakterien kennen keine Grenzen", in Ärzte Zeitung, D 8877 Nr.36, Jahrgang 22)