Das Institut ist vor 61 Jahren in Moskau gegründet, jedoch  nach einigen Jahren nach Astrakhan verlegt worden.

Die Ursache: Das Vorkommen der Lepra ist im Süden des Landes deutlich höher. Das Gebiet von Astrakhan ist sogar ein Endemiegebiet. (Das Vorkommen der Krankheit ist von Generation zu Generation nachweisbar).
Hier werden Schulungen der Ärzte und Schulungskonferenzen durchgeführt.

Konferenzen der letzten 10 Jahre:

  • 1998 Das 50jährige Bestehen des Instituts
  • 2003 Die Therapie -MDT  /WHO Verteilung)
  • 2005 Die Rehabilitation -Einführung der Modulan Greifhilfe für Patienten mit Handdeformitäten.
  • 2008 Das 60jährige Bestehen des Instituts

Erstmalig sind zwei Konferenzsprachen zugelassen worden Russisch, Englisch.

Dezember 2006 - Wechsel der Leitung: Nachfolger von Herrn Prof. Anatoli Juscenko (Rente) ist seit Dezember 2006  Dr.Viktor Duiko.

Es gibt gravierende Änderungen in der Lepraarbeit:

  • Das alte Russische Institut öffnet seine Pforten für eine weltweite Lepraarbeit.
  • Ausgeheilte Leprakranke nehmen an der Leprakonferenz in Astrakhan teil.
  • Im Behandlungs- und Heilungsprozess ist der Leprakranke zum Partner des Arztes geworden.

Dieses Leprosorium ist für mich das einzige, in dem es keine Isolierstation gibt.

Es liegt mitten in der Stadt und ist mit dem Lepra-Institut auf das engste, sozusagen als Funktionseinheit, verbunden. Zur Zeit der Sowjetunion war es die zentrale Stelle für die Diagnostik und Therapie der Lepra für die gesamte Sowjetunion, und zwar unter der Leitung von Prof. Anatoly Juscenko. Seit 1990 ist das Institut und Leprosorium nur für Russland zuständig, obwohl die Lepraärzte der einst verbündeten Länder weiter in Astrachan eine Unterstützung suchen. Jedoch aus finanziellen Gründen ist die Hilfstätigkeit nicht aufrecht zu erhalten.

Eröffnung der Konferenz
Eröffnung der Konferenz

In großer Zahl reisten die Leprologen Ende September 1998 hier an. Das Institut feierte das 50-jährige Bestehen. Ich erinnere mich an die freudigen Begegnungen mit Delegierten von fast allen Leprosorien und Lepraeinrichtungen der schon in die Geschichte eingegangene ehemaligen Sowjetunion. Diese Menschen waren mir durch meine Besuche in den einzelnen Leprosorien persönlich bekannt.
Vorträge und wissenschaftlicher Austausch gehörten zum Programm. Es war mir eine Ehre, das Grußwort des Deutschen Lepra Instituts in Würzburg und DAHW vor dem Gremium der Leprologen zu überbringen. Der Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit beiden Instituten wurde ausgesprochen. In den Vorträgen der Leprologen aus den verschiedenen Leprosorien wurde die Situation der Leprakranken und das bisher Erreichte vorgestellt.
Es tat mir unglaublich wohl, in der Gemeinschaft mit gleichgesinnten Menschen diskutieren zu können. Natürlich besuchte ich in Astrachan sowohl die stationär als auch die ambulant betreuten Leprakranken.
Transportaktionen mit Hilfsgütern nach Astrachan wurden 1998, 1999 und im Jahre 2000 von Dinslaken aus organisiert und durchgeführt.

Leprologen aus Russland und Zentralasien
Leprologen aus Russland und Zentralasien

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Austausches wurde Prof. Anatoly Juscenko 1999 nach Deutschland eingeladen, um das Lepra Institut in Würzburg zu besuchen, und den Kontakt zu dem Deutschen Aussätzigen Hilfswerk zu vertiefen.

Anfang November 2003 fand eine Konferenz der Lepra-Ärzte, die das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion bewohnen, in Astrachan statt. Zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde ein direkter Kontakt hergestellt. Die Versorgung aller Leprakranken der o.g. Gebiete wurde mit einer Dreier-Kombination von Antibiotika, der s.g. MDT (Multy Drug Therapie) nach dem WHO-Schema, sichergestellt. Die Lepra-Ärzte sind ab sofort in der Lage, selbständig die erforderliche Menge von MDT - Medikamenten zollfrei und unentgeltlich vor Ort zu besorgen.

Ohne eine konsequente MDT-Therapie über ein ganzes Jahr kann man die Leprakranken nicht heilen und somit die Lepra auch nicht ausrotten.

September 2005 - Modulan-Schulung in Astrachan, Russland
Vom 12. bis zum 18. September 2005 fand eine Schulung der Lepraärzte in Astrachan am Kaspischen Meer in Russland statt.

Die Teilnehmer reisten aus Europa, Mittelasien und Zentralasien an. Sie lernten den Umgang mit Modulan, einer Zwei-Komponenten-Epoxydharz-Masse, die in Verbindung gebracht, eine schnelle, wirtschaftliche und nach Maß hergestellte Produktion von Greifhilfen ermöglicht.

Modulanschulung der Ärzte
Modulanschulung der Ärzte
Modulanschulung der Ärzte
Modulanschulung der Ärzte

Leprakranke mit verstümmelten und verkrüppelten Händen werden rehabilitiert!

Die Greifhilfe Modulan ersetzt fehlende Glieder.
Sie verbindet die verunstaltete Hand des Leprakranken mit einem Gegenstand, den er benutzen will, z. B. mit einem Löffel, Kugelschreiber, Zahnbürste, Schere etc.

Individuell angepasst
Individuell angepasst

Das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl des Leprakranken wird gestärkt, da seine Abhängigkeit von anderen Menschen stark vermindert wird.
Er kann sein Leben selbst gestallten, so dass die Wiedereingliederung in die Gemeinschaft erleichtert wird.

Jeder Lepraarzt wurde in Astrachan mit der Epoxydharzmasse versorgt, um nach der Rückkehr in die Heimat den Leprakranken im eigenen Land mit der Modulan-Greifhilfe eine großartige Hilfe zu verschaffen.

 

September 2011

Es war für mich eine außergewöhnliche Reise!
Sie führte nach Astrakhan, in die südlichste Stadt Russlands,  in das Delta des größten europäischen Flusses, der Wolga. Mitten in dieser Großstadt wagte man, das einzige  Leprazentrum der ehemaligen Sowjetunion zu gründen, samt einem Lepraforschungs-Institut, einer Lepraklinik und Lepraambulanz.

Dieses Leprazentrum war mir gut bekannt! Seit einigen Jahren bin ich hier recht oft zu Gast, sogar ein Ehrenmitglied des Instituts. Außergewöhnlich für mich war die Tatsache, dass ich hierher nicht alleine ankam. Zwei Dinslakener waren dabei, sogar der Pastor unserer Kirchengemeinde, Theo van Doornick, der erste Priester aus Dinslaken, der sich nicht gescheut hat, Leprakranke zu besuchen und sie zu berühren. Die Anwesenheit des DAHW-Geschäftsführers, Herrn Burkard Kömm aus Würzburg, bestätigte, dass auch die Deutsche Lepra- u. Tuberkulosehilfe e.V., deren Mitglied ich seit Jahren bin, mir in Lepra-Angelegenheiten den Rücken stärkt.

Die Internationale Leprakonferenz in Astrakhan mit 35 Teilnehmern aus 10 Ländern gab uns erneut zum Ausdruck, dass der Kampf mit der Lepra nur international, Hand in Hand, gelingen wird. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, dass die Lepraärzte, die aus zerstrittenen, ja sogar gegenseitig verhassten Ländern ankamen,  in Astrakhan freudevoll sich umarmten, sich gegenseitig Hilfe leisteten und Freundschaften miteinander pflegen.

Ärzte und Pfleger
Ärzte und Pfleger

Auch die Freude der Leprakranken war sichtbar. Schließlich standen sie im Mittelpunkt der Konferenz.
Von Dinslaken aus wurden sie nach unseren Möglichkeiten versorgt.

Untersuchung
Untersuchung
Untersuchung
Untersuchung

Meine persönliche Sorge im Bezug auf die Lepraarbeit ist die Suche nach neuen Leprafällen. Jeder Einzelne muss so schnell wie möglich gefunden werden um:

  • Die Kette der Infektion zu unterbrechen
  • Die Behandlung zu starten, bevor die Spätfolgen der Lepra den Körper zerstören